Schon wieder lief mir die Nase. Bereits zum dritten Mal innerhalb von zwei Minuten. Ich griff zum Taschentuch-Päckchen.

Plötzlich riss mich ein gewaltiger Orkan vom Schreibtischstuhl. Woher er kam, wusste ich nicht, aber er hatte eine enorme Kraft. Ich wirbelte durch die Luft und überschlug mich mindestens tausend Male.

Sekunden später landete ich auf dem Taschentuch-Päckchen, nach dem ich eben noch gegriffen habe. Dort saß ich nun mit eingeknickten Beinen für den Bruchteil einer Sekunde. Ich wollte mich kurz sammeln, doch dann schoss das Päckchen mit mir zusammen hoch in die Luft, direkt in den Himmel.

Ich hielt mich krampfhaft an der Klebelasche fest. Meine Augen tränten vom enormen Fahrtwind und mein Haar berstete borstig.

Wir, das Päckchen und ich, kreisten am Horizont und drehten Pirouetten. Wir flogen durch die funkelnden Sonnenstrahlen und schlitterten über die schillernde Oberfläche des Regenbogens.

Unter uns flogen Schwäne. Ich berührte sie mit meinem nackten Fuß. Sie schauten zu uns hoch und lächelten.

Wir rauschten durch Luftschlösser und durch Puschelkätzchen aus Wolken.

Ja, aus dem Taschentuch-Päckchen und mir ist ein Wir geworden. Wir reisten nun gemeinsam. Wir waren Reisende und das Ziel war die Reise.

Wir waren so glücklich – das Taschentuch-Päckchen und ich.

(VÖ: Eulenspiegel, 2016)